Kurzgeschichte aus dem Duvenstedter Brook in Hamburg

Heile Grüne Welt 

Kurzgeschichte aus Hamburg

Sie wollte endlich nicht mehr an ihn denken, ihn am liebsten vergessen. Alles im Studentenwohnheim erinnerte Sarah an Torben. "Nichts wie raus hier", dachte sich Sarah, "und möglichst weit weg von Winterhude." Sie setzte sich in ihr Auto und fuhr in Richtung Norden, bis ans Ende der Stadt - zum Duvenstedter Brook. 


Wanderweg Hamburg Duvenstedter Brook
Hier war sie noch nie und es war eine kleine idyllische Welt für sich. Sarah atmete tief durch, als sie den kleinen Wanderweg durch den Wald betrat. Der Wind blies ihr den Kopf frei und das Quaken der Frösche zauberte ihr zum ersten Mal an diesem Tag ein Lächeln ins Gesicht. Der Streit mit Torben war für einen Augenblick vergessen. 
Im Wald fühlte sich Sarah endlich wieder geborgen und frei. Die vielen Probleme spielten einfach keine Rolle mehr. Sarah ließ sich ins Gras fallen und schloss die Augen. Sie ließ den Wald mit seinem herrlichen Duft und dem fantastischen Vogelgezwitscher auf sich wirken. Es war wie im Traum - Traum und Realität verschwammen langsam immer mehr ineinander. Sarah war unendlich müde und sank langsam in einen süßen Schlaf. So gut hatte sie lange nicht mehr geschlafen.
Als sie aufwachte, wusste sie im ersten Moment nicht mehr wo sie war. Dann erinnerte sie sich an den Duvenstedter Brook. Jetzt war es dunkel geworden und die Geräuschkulisse war eine andere als am Tag. Sie hörte das Jaulen der Käuze und Eulen, ein merkwürdiges Knacken im Gehölz. Wie weit Sarah in den Wald gegangen war und in welche Richtung - das war ihr absolut schleierhaft. Wie im Nebel setzte sie zaghaft einen Fuß vor den anderen. Sie war so glücklich eingeschlafen, aber nun hatte sie Angst. In der Nacht ganz allein im Duvenstedter Brook, nein das wollte sie auf keinen Fall. 
Was sollte sie denn jetzt tun? Telefonieren! Sarah tastete aufgeregt nach dem Handy in ihrer Jackentasche. Außer ein paar Kaugummis war leider nichts da. Sie war nach dem Streit mit Torben einfach kopflos aus dem Haus gestürmt und hatte weder Handy noch Geld dabei. "Oh Gott, lieber Gott, bitte hilf mir hier wieder heile raus", flehte Sarah und ihr Herz klopfte immer heftiger. Irgendwo im Wald schien auch ein klopfendes Geräusch zu sein. Es wurde lauter und Sarah hörte , das Galoppieren eines Pferdes. Inzwischen war es so dunkel geworden, dass sie niemanden sehen konnte. Doch dann hörte sie ein Wiehern ganz in ihrer Nähe. Sie rief: "Hilfe, ich hab mich im Wald verlaufen." 
Nur Sekunden später war sie nicht mehr allein. Jemand hielt sie am Arm und half ihr in die Steigbügel. Sarah hatte noch nie auf einem Pferd gesessen, schon gar nicht zu zweit. Und es war ein tolles Gefühl. Sie fühlte sich erleichtert und gut aufgehoben. Paul stellte keine Fragen, er nahm Sarah einfach mit, raus aus dem Duvenstedter Brook und hinein in ein Leben, das sie bis dahin noch nicht kannte.
Autor: SH