Kurzgeschichte aus dem Hamburger Stadtpark

Nebelleuchten

Kurzgeschichte aus Hamburg

„Immer, wenn du denkst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her“ – ist das so?
An trüben Novembertagen vermisse ich oft ganz schrecklich das Licht. Besonders, wenn sonntags der Himmel bleigrau und betonschwer über dem Hamburger Stadtpark zu hängen scheint.
Planetarium Hamburg bei Nacht
„Nichts wie weg hier“, dachte ich mir am vergangenen Sonntag. Und so ging ich auf eine große Reise in Begleitung von Charles Darwin, dem berühmten Naturforscher. Den Rätseln des Lebens auf der Spur, ließ ich mich im Planetarium in einen bequemen Sessel sinken und tauchte einfach ab. An Bord der HMS Beagle rauschte ich blitzschnell durchs Universum und landete sanft auf fernen, exotischen Inseln, in den Tiefen der Meere und den Weiten der Milchstraße. Hier hellte sich meine Stimmung sofort auf.
„Der Stärkere setzt sich durch!“, so hatte Darwin die Natur betrachtet.  Aber warum kann man das Leben nicht einfach mal so an sich vorbeiziehen lassen? Heute wollte ich jedenfalls nichts anderes als das und es war herrlich. Mit der wunderbaren Musik aus der Himmelsreise in den Ohren verließ ich verträumt das Planetarium und schlenderte durch dichten Nebel. Die ganze, riesige Stadtparkwiese versank hinter einem weißgrauen Schleier.  Ich sah mich um und war fasziniert von so viel zauberhafter Schönheit.  Der Stadtpark schien ganz verlassen zu sein.
Stadtpark Hamburg im Nebel
Über mir zog ein Schwarm von Krähen seine Runden und aus der Ferne hörte ich leise einige Stimmen. Ich verließ die Wiese und ging auf den See zu. Dann setzte ich mich auf den Holzsteg am Ufer und erinnerte mich an wunderschöne, sonnige Badetage im Freibad. Irgendetwas schien auf mich zu zu schwimmen. Es kam immer näher und ich wollte gerade aufstehen, da sah ich, dass es ein Boot war. Ein Boot ganz allein trieb schaukelnd auf mich zu. Ohne zu überlegen stieg ich ein und nahm die Ruder. Langsam entfernte ich mich vom Ufer und trieb hinaus auf den See. Obwohl ich kaum etwas um mich herum erkennen konnte, fühlte ich mich gut aufgehoben.  Ich war ganz bei mir und nahm die Welt, so schön wie sie an diesem Sonntag war, für mich an.
Der Nebel löste sich Stück für Stück auf und über mir konnte ich wieder den Hamburger Himmel sehen. Nun sah ich auch das Licht, in Form von Millionen von Sternen strahlte es mir hell entgegen.  Mein grauer Novembertag ging leuchtend und glänzend zu ENDE.